DNS-Spoofing und DNS-Hijacking
DNS-Spoofing (auch DNS-Cache-Poisoning) bezeichnet Angriffe, bei denen Kriminelle DNS-Einträge manipulieren, um Nutzer auf gefälschte Webseiten umzuleiten – ohne dass diese es bemerken. DNS-Hijacking geht weiter: Dabei wird die Kontrolle über den DNS-Server oder den Domain-Registrar übernommen. Für Unternehmen kann dies bedeuten, dass Kunden auf gefälschte Unternehmenswebseiten weitergeleitet werden, E-Mails abgefangen werden oder der Ruf dauerhaft geschädigt wird.
Wie funktioniert DNS-Spoofing und DNS-Hijacking?
Das Domain Name System (DNS) ist das Telefonbuch des Internets: Es übersetzt menschenlesbare Domain-Namen (z. B. ihre-firma.de) in IP-Adressen, mit denen Server erreichbar sind. Da DNS in seiner ursprünglichen Form ohne Authentifizierung konzipiert wurde, ist es für verschiedene Angriffe anfällig.
Beim DNS-Cache-Poisoning vergiftet ein Angreifer den Cache eines DNS-Resolvers mit falschen Einträgen. Wenn ein Mitarbeiter z. B. ihre-bank.de aufruft, gibt der vergiftete Resolver eine falsche IP-Adresse zurück – die zur gefälschten Website des Angreifers führt. Da HTTPS für den Nutzer trotzdem als sicher angezeigt werden kann (wenn der Angreifer ein Let's-Encrypt-Zertifikat für eine ähnliche Domain hat), ist die Täuschung oft perfekt.
DNS-Hijacking geht tiefer: Angreifer übernehmen den DNS-Server des Unternehmens oder das Domain-Registrar-Konto. Damit können sie alle DNS-Einträge frei manipulieren – Website, E-Mail-Server (MX-Records), oder VPN-Zugangspunkte. Angreifer nutzen dies, um E-Mails abzufangen, Mitarbeiter auf gefälschte Intranet-Seiten umzuleiten oder Authentifizierungsprozesse zu unterlaufen.
Für KMU besonders relevant ist der Registrar-Angriff: Durch Phishing oder Credential Stuffing übernehmen Angreifer den Registrar-Account und damit die vollständige Kontrolle über die Unternehmens-Domain. Mit dieser Kontrolle können sie HTTPS-Zertifikate ausstellen, E-Mails abfangen und legitime Unternehmens-E-Mails im Namen des Unternehmens versenden.
BGP-Hijacking ist eine verwandte, komplexere Angriffsvariante, bei der Netzwerk-Routing-Informationen manipuliert werden, um den Datenverkehr umzuleiten. Diese Angriffe sind technisch anspruchsvoller, haben aber weitreichendere Konsequenzen.
DNS-Spoofing und DNS-Hijacking in Zahlen
So trifft DNS-Spoofing und DNS-Hijacking Unternehmen
Registrar-Übernahme leitet Kundenwebseite auf Phishing-Seite um
Die Domain eines mittelgroßen Online-Händlers aus Nordrhein-Westfalen wurde durch einen Angriff auf sein Registrar-Konto übernommen. Angreifer änderten alle DNS-Einträge, um Besucher auf eine täuschend echte Phishing-Seite umzuleiten. Über 36 Stunden wurden Kundendaten und Zahlungsinformationen abgegriffen. Der Händler musste alle Kunden informieren, DSGVO-Meldung erstatten und trug erhebliche Reputationsschäden.
E-Mail-Abfangung durch MX-Record-Manipulation einer Kanzlei
Eine Anwaltskanzlei in München wurde Opfer eines DNS-Hijacking-Angriffs, der ihren E-Mail-Server-Eintrag (MX-Record) auf einen Proxy-Server der Angreifer umlenkte. Über drei Tage wurden alle eingehenden und ausgehenden E-Mails der Kanzlei mitgelesen und selektiv manipuliert. Die Angreifer fingen vertrauliche Mandantenkommunikation ab und nutzten diese für gezielte BEC-Angriffe gegen die Mandanten.
Schutzmaßnahmen gegen DNS-Spoofing und DNS-Hijacking
Technische Maßnahmen
- DNSSEC (DNS Security Extensions) für eigene Domains aktivieren
- DNS-over-HTTPS (DoH) oder DNS-over-TLS (DoT) für verschlüsselte DNS-Kommunikation
- Multi-Faktor-Authentifizierung für den Domain-Registrar-Account
- DNS-Monitoring und Alerting auf unerwartete DNS-Änderungen
- DMARC, DKIM und SPF als Schutz vor E-Mail-basierten DNS-Angriffen
- Verwendung eines vertrauenswürdigen, DNSSEC-validierenden DNS-Resolvers
- Registry Lock für unternehmenskritische Domains
- Certificate Transparency Monitoring für die eigene Domain
Organisatorische Maßnahmen
- Registrar-Zugangsdaten mit starkem, einzigartigem Passwort und MFA schützen
- Regelmäßige Überprüfung aller DNS-Einträge der eigenen Domains
- Verantwortliche für Domain-Verwaltung klar definieren
- Domains nicht bei billigen Registraren ohne ausreichende Sicherheitsfunktionen halten
- Incident-Response-Plan für Domain-Übernahme-Szenario vorbereiten
Was die Cyberversicherung bei DNS-Spoofing und DNS-Hijacking abdeckt
Abgedeckte Leistungen
- Betriebsunterbrechungsschäden durch DNS-Angriffe und Domainausfälle
- Kosten für IT-Forensik und DNS-Sicherheitsanalyse
- Benachrichtigungskosten nach DSGVO bei Datenleck durch DNS-Manipulation
- Haftpflichtansprüche betroffener Kunden
- Kosten für Domain-Wiederherstellung und DNS-Härtung
- Krisenmanagement und Krisenkommunikation
- Rechtsberatung bei Behördenkommunikation und Strafverfolgung
Typische Ausschlüsse
- Schäden durch nicht aktiviertes DNSSEC trotz verfügbarer Option
- Verluste durch fehlende MFA am Registrar-Account
- Domainverlust durch reguläres Ablaufen der Registrierung
- Reine Reputationsschäden ohne direkten finanziellen Verlust
- Schäden durch vom Registrar verursachte Ausfälle (keine Cyberversicherung, sondern SLA)
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