Cryptojacking
Cryptojacking bezeichnet den unbefugten Einsatz der Rechenleistung eines fremden Computers oder Netzwerks zum Schürfen (Mining) von Kryptowährungen. Die Angreifer installieren heimlich Mining-Software auf den Systemen des Opfers oder betten Mining-Code in Webseiten ein. Das Opfer bemerkt den Angriff oft nur durch erhöhten Stromverbrauch, verlangsamte Systeme und überhitzte Hardware – während die Angreifer Kryptowährungen verdienen.
Wie funktioniert Cryptojacking?
Cryptojacking kann auf zwei grundlegend verschiedene Arten erfolgen: als dateibasierte Infektion oder als browserseitiges Mining. Bei der dateibasierten Variante wird Mining-Software wie Malware auf dem System des Opfers installiert. Der Einstieg erfolgt über Phishing-E-Mails, kompromittierte Software-Downloads oder ausgenutzte Schwachstellen in öffentlich zugänglichen Diensten.
Beim browserseitigen Cryptojacking – dem sogenannten Drive-by Cryptomining – wird JavaScript-Mining-Code in kompromittierte oder eigens erstellte Webseiten eingebettet. Besucht ein Nutzer diese Seite, läuft der Mining-Code im Browser ohne Installation von Software. Beim Schließen des Browsers stoppt das Mining. Diese Variante ist schwerer zu erkennen und hinterlässt kaum Spuren.
Besonders attraktiv für Angreifer sind Cloud-Umgebungen und Unternehmensserver: Sie verfügen über hohe Rechenleistung und laufen rund um die Uhr. Ein kompromittierter AWS- oder Azure-Tenant kann Angreifern täglich hunderte Euro an Mining-Ertrag generieren, während das Opfer die Rechnung für die Rechenleistung zahlt. Sogenannte Cloud-Cryptojacking-Angriffe haben sich 2024 vervielfacht.
Ein weiteres Angriffsmuster sind Container-Escape-Exploits in Kubernetes-Umgebungen: Angreifer schleusen Mining-Container in Cloud-Infrastrukturen ein, die sich als legitime Dienste tarnen. Da die Mining-Software selbst keinen direkten Schaden an Daten anrichtet, wird sie oft nicht als kritisch eingestuft – dennoch können die Folgen erheblich sein: überhöhte Cloud-Rechnungen, Hardware-Schäden durch Überhitzung und verminderte Systemleistung.
Cryptojacking in Zahlen
So trifft Cryptojacking Unternehmen
Cloud-Cryptojacking kostet Agentur 38.000 Euro
Eine Digitalagentur aus Hamburg entdeckte erst nach drei Monaten, dass ihre AWS-Umgebung für Krypto-Mining missbraucht wurde. Eine unsicher konfigurierte CI/CD-Pipeline hatte den Angreifern Zugang zu den Cloud-Ressourcen verschafft. Die monatliche AWS-Rechnung war auf das Zehnfache gestiegen. Neben den direkten Kosten verursachte die forensische Analyse erheblichen Aufwand. Ohne Cyberversicherung wären die gesamten Mehrkosten auf die Agentur entfallen.
Mining-Malware in Produktionsnetzwerk eines Lebensmittelbetriebs
Ein mittelständischer Lebensmittelproduzent aus Bayern bemerkte nach Wochen, dass seine Produktionssteuerungs-PCs deutlich langsamer liefen und regelmäßig überhitzten. Eine Untersuchung ergab Mining-Malware auf 14 Workstations. Die Infektion war über einen infizierten USB-Stick eines Wartungstechnikers eingeschleust worden. Neben der Bereinigung mussten drei Rechner wegen Überhitzungsschäden ausgetauscht werden.
Schutzmaßnahmen gegen Cryptojacking
Technische Maßnahmen
- Browser-Erweiterungen gegen Cryptomining (z. B. NoCoin, MinerBlock) einsetzen
- Cloud-Monitoring und Anomalie-Erkennung für ungewöhnliche CPU-Auslastung
- Content Security Policy (CSP) für Webseiten konfigurieren, um Mining-Skripte zu blockieren
- Netzwerküberwachung auf bekannte Mining-Pool-Domains und -IPs
- Cloud-Budget-Alarme einrichten und regelmäßig Kosten-Anomalien prüfen
- Least-Privilege-Prinzip für Cloud-Ressourcen und APIs durchsetzen
- USB-Zugänge an Produktionssystemen deaktivieren oder kontrollieren
- Regelmäßige Überprüfung der Cloud-Konfigurationen auf Fehlkonfigurationen
Organisatorische Maßnahmen
- Regelmäßige Überprüfung von Cloud-Rechnungen auf Anomalien
- Mitarbeiter für Anzeichen von Cryptojacking sensibilisieren (langsame Systeme, Lüftergeräusche)
- Prozesse für ungewöhnliche IT-Kostenentwicklungen definieren
- Cloud-Zugänge mit starker Authentifizierung und regelmäßigen Zugangs-Reviews sichern
Was die Cyberversicherung bei Cryptojacking abdeckt
Abgedeckte Leistungen
- Unautorisierten Cloud-Mehrkosten durch Cryptojacking
- Kosten für IT-Forensik und Beseitigung der Mining-Software
- Betriebsunterbrechungsschäden durch verlangsamte Systeme
- Hardware-Ersatz nach Überhitzungsschäden
- Kosten für Sicherheitsüberprüfung und Härtung der Infrastruktur
- Wiederherstellungskosten kompromittierter Cloud-Konfigurationen
Typische Ausschlüsse
- Betriebskosten-Mehraufwand durch bewusst tolerierte Mining-Software (Insider-Threat)
- Schäden durch private Mining-Aktivitäten eigener Mitarbeiter auf Firmengeräten
- Wertminderung durch normale Hardware-Alterung
- Cloud-Kosten ohne nachweisbaren externen Angriff
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